Nachtzug Basel-Kopenhagen
August 23rd, 2009
Im Nachtzug von Basel nach Kopenhagen befand sich ein von Afghanistan ausgewanderter Däne im selben Abteil. Er war auf dem Heimweg von einem Verwandtenbesuch in Afghanistan, hatte aber ein paar Tage Verspätung, weil am Tag, an dem der Abflug vorgesehen war, ein Terroranschlag stattfand und der Flughafen geschlossen wurde.
Sein gigantischer Koffer war voll von Geschenken der Familie an andere Verwandte oder Freunde in Europa. Er hatte Angst, der Koffer könnte gestohlen werden, was für ihn wahrscheinlich einem Gesichtsverlust gleichgekommen wäre.
Am nächsten Morgen erzählte er uns, er sei in der Nacht sechs oder sieben mal aufgestanden um zu kontrollieren, ob sein Koffer noch da sei. Die Schaffnerin hatte ihn am Abend zuvor angewiesen, den Koffer sofort vom Gang in den Gepäckraum zu bringen, andernfalls werde sie ihn aus dem Zug werfen.
Als wir über die Wahlen in Afghanistan sprachen, zeigte er sich pessimistisch: Er wisse, dass vierzehn- und fünfzehnjährige Knaben zum Teil vier bis fünf Mal wählen gegangen seien. Sie hätten ein Mittel gefunden, die Tinte auf dem Finger verschwindenzulassen, was die mehrmalige Stimmabgabe ermöglichte.
Engste Verwandte und Mitarbeiter von Karzai seien im Drogenhandel tätig, aber er werde die Wahl vermutlich noch einmal gewinnen, die Stimmen seien sowieso grösstenteils gekauft.
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