Greyerzer hat Emmentaler überholt

January 29th, 2010

Greyerzer hat Emmentaler überholt, NZZ, 29. Januar 2010

Dass der Greyerzer den Emmentaler früher oder später überholen würde ist nicht erstaunlich, sondern, wie jede gereifte und ausgeglichene Person zugeben muss, eine unvermeidbare Konsequenz seines in jeder Hinsicht überlegenen Charakters.

Ebensowenig erstaunlich ist aber auch, dass im Exportgeschäft der Emmentaler dem Gruyère immer noch voraus ist. Wer einmal als Schweizer im Ausland gelebt hat, hat einsehen müssen, dass der Schweizer Käse einfach “der mit den Löchern” ist, wie Google eindrücklich beweist.

Erstaunlich ist hingegen, was Wikipedia zu Swiss cheese zu sagen hat:

The largest manufacturer of Swiss cheese in the world is Brewster Dairy, located in Brewster, Ohio.

Dass die Zeit der geistigen Landesverteidigung vorbei ist, war mir schon bewusst, aber dass sich der grösste Produzent von “Schweizer Käse” in Ohio befindet, bricht einem Patrioten wie mir das Herz. Wenigstens müssen sich auch die Amerikaner auf die Hilfe des lactobacillus helveticus verlassen. Dem nützlichen Kerlchen müsste man einen Titel wie Commander of the Order of the Swiss Empire verleihen, vielleicht tut es aber auch die Emmi-Medaille.

Entschuldigung, hier fällt mir auf, dass die Schweizer Mentalität – wobei man in diesem Fall durchaus “Schweizer Gesetzgebung” verstehen darf – Orden zutiefst abgeneigt ist:

Artikel 12 besagt, dass die Mitglieder der Bundesbehörden, die eidgenössischen Civil- und Militärbeamten und die eidgenössischen Repräsentanten oder Kommissarien von auswärtigen Regierungen weder Pensionen oder Gehalte, noch Titel, Geschenke oder Orden annehmen dürfen.

Nachdem ich heute einer Französin die Bedeutung von SBB CFF FFS und CH erklärt habe, kann ich es mir nicht verkneifen zu bemerken, dass das Historische Lexikon der Schweiz für seine Webseite in urschweizerischster Tradition die Adresse http://www.hls-dhs-dss.ch/ gewählt hat. Fast hätte ich jetzt angefügt: Wir machen es kompliziert, aber allen Recht. Allerdings bestätigt ein kurzer Versuch, was meine Schweizerseele erahnt, nämlich … ?

Ich offeriere 1 kg Patriotismus mit einer Prise Verantwortungsbewusstsein, einem Schuss Bünzligeist und wahlweise öffentlicher Bescheidenheit oder kaschiertem Stolz  derjenigen Person, die als erste des Rätsels korrekte Lösung in einem Kommentar abliefert.

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Verklemmt, aber glücklich

January 27th, 2010

Ob “Di dove sei?” oder “Where are you from?” – die Frage ist doch eigentlich einfach zu beantworten. Wenn Nicht-Italiener nicht wissen, was “Svizzera” bedeutet, füge ich einfach noch “Switzerland” oder – für die im Englisch häufig nicht so bewanderten Spanier – “Suiza” an.

Der weitere Verlauf des Gesprächs wird dann gewöhnlich komplizierter. Welche Sprachen ich spreche ist im Spezialfall Schweiz mit Angabe der Nationalität noch nicht geklärt (häufiger Kommentar: “You are so lucky!”), und welche davon meine Muttersprache ist (hier gehen dann manchmal ein paar Sympathiepunkte verloren), sieht man mir nicht an. In der Schweiz gibt es 4 Nationalsprachen. Nein, Englisch gehört nicht dazu, Italienisch schon, und nein, von Rumantsch habe ich keine Ahnung. In der EU sind wir nicht (Kommentar kürzlich: “Wozu auch, wenn es euch ohne so gut geht?“).

Während sich das Gespräch – mindestens bis hier – weitgehend um Fakten gedreht hat, spielen sich auf einer anderen Ebene komplexe Vorgänge ab. Welche Vorstellungen erweckt die Kenntnis meiner Nationalität in der anderen Person? Wenn die Banken oder Reichtum erwähnt werden: War da eben ein bisschen Neid oder Bewunderung zu spüren, oder gelten wir jetzt wegen dem nicht immer ruhmreichen Verhalten der Banken als geldgierig? Als gestern ein Italiener eine derartige Anspielung machte, erklärte ich ihm (relativ emotionslos, wie mir scheint), dass Banken Privatunternehmen seien und deren Handlungen längst nicht immer von der Mehrheit goutiert würden. Dann habe ich angefügt, dass Italien für die Mafia bekannt sei, obwohl nicht alle Italiener Mafiosi seien. Der Vergleich hinkt personenminenopfermässig, ich weiss. Auf jeden Fall hat er sich dann wortreich entschuldigt.

Es ist wohl kaum erstaunlich, dass die Frage, was die Schweiz im Ausland für ein Image hat, mich beschäftigt. Mit einigem Interesse habe ich deshalb einen Artikel über die glücklichsten Länder der Welt im NZZ Folio gelesen (und das erwähnte Buch bestellt).

Hört, hört. Wir sind verklemmt, aber glücklich.

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A walk on the first day of 2010

January 2nd, 2010

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