Verklemmt, aber glücklich
January 27th, 2010
Ob “Di dove sei?” oder “Where are you from?” – die Frage ist doch eigentlich einfach zu beantworten. Wenn Nicht-Italiener nicht wissen, was “Svizzera” bedeutet, füge ich einfach noch “Switzerland” oder – für die im Englisch häufig nicht so bewanderten Spanier – “Suiza” an.
Der weitere Verlauf des Gesprächs wird dann gewöhnlich komplizierter. Welche Sprachen ich spreche ist im Spezialfall Schweiz mit Angabe der Nationalität noch nicht geklärt (häufiger Kommentar: “You are so lucky!”), und welche davon meine Muttersprache ist (hier gehen dann manchmal ein paar Sympathiepunkte verloren), sieht man mir nicht an. In der Schweiz gibt es 4 Nationalsprachen. Nein, Englisch gehört nicht dazu, Italienisch schon, und nein, von Rumantsch habe ich keine Ahnung. In der EU sind wir nicht (Kommentar kürzlich: “Wozu auch, wenn es euch ohne so gut geht?“).
Während sich das Gespräch – mindestens bis hier – weitgehend um Fakten gedreht hat, spielen sich auf einer anderen Ebene komplexe Vorgänge ab. Welche Vorstellungen erweckt die Kenntnis meiner Nationalität in der anderen Person? Wenn die Banken oder Reichtum erwähnt werden: War da eben ein bisschen Neid oder Bewunderung zu spüren, oder gelten wir jetzt wegen dem nicht immer ruhmreichen Verhalten der Banken als geldgierig? Als gestern ein Italiener eine derartige Anspielung machte, erklärte ich ihm (relativ emotionslos, wie mir scheint), dass Banken Privatunternehmen seien und deren Handlungen längst nicht immer von der Mehrheit goutiert würden. Dann habe ich angefügt, dass Italien für die Mafia bekannt sei, obwohl nicht alle Italiener Mafiosi seien. Der Vergleich hinkt personenminenopfermässig, ich weiss. Auf jeden Fall hat er sich dann wortreich entschuldigt.
Es ist wohl kaum erstaunlich, dass die Frage, was die Schweiz im Ausland für ein Image hat, mich beschäftigt. Mit einigem Interesse habe ich deshalb einen Artikel über die glücklichsten Länder der Welt im NZZ Folio gelesen (und das erwähnte Buch bestellt).
Hört, hört. Wir sind verklemmt, aber glücklich.
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