Der toskanische Dialekt (fortgesetzt)

May 2nd, 2010

Über die Besonderheiten des toskanischen Dialekts habe ich schon geschrieben. Die Erfahrungen, die ich seit dann gemacht habe, gebe ich hier zur allgemeinen Belehrung und/oder Belustigung wieder. Ich möchte aber gleich vorneweg differentialdiagnostisch festhalten, dass sich der toskanische Dialekt in der Aussprache noch stärker von den anderen Dialekten unterscheidet als in der Grammatik und deshalb zur zweifelsfreien Identifizierung oft Hörproben notwendig sind.

Beispiel 1: Kino

Wie schon erklärt wird ein Verb in der ersten Person plural häufig durch die impersonale Form ersetzt. So wird hier andiamo zu si va. Garbare ist typisch toskanisch und bedeutet nichts anderes als piacere. Avoglia heisst je nach Zusammenhang (ja) gerne oder sehr, zu viel. Eine nicht nur in der Toskana verbreitete Kuriosität ist die Verdoppelung eines Pronomens im Dativ. Aus a me oder mi wird a me mi. Monte heisst in diesem Zusammenhang so viel wie molto.

Senti, si va al cinema stasera? C’è il nuovo film di George Clooney se ti garba…

Avoglia! A me mi piace monte George Clooney.

Beispiel 2: Faccio und vado

(Io) faccio wird häufig zu fo, (io) vado wird zu vo. Wer ankündigt, dass er nicht alles essen wird, was auf seinem Teller ist, oder allgemein etwas nicht schafft, sagt

Non ce la fo!

Beispiel 3: Tu wird zu te, findet aber Anwendung in anderen Situationen

Tu wird in der Toskana konsequent durch te ersetzt, wie in ma te l’hai dato l’esame?. Dafür setzt man tu an Stellen ein, wo andere Italiener es schlicht weglassen würden, wie zum Beispiel:

Ma che tu fai? (Was machst du denn?)

Tu vedrai! (Wirst schon sehen!)

Beispiel 4: Aussprache

Ein famoser Satz, der verdeutlichen soll, wie ‘c’ als ‘h’ ausgesprochen wird, ist:

La hoha hola hon la hannuccia horta e holorata.

Beispiel 5: Etwas für die Ohren

Wer schon Italienisch versteht und wissen möchte, wie sich das Ganze anhört, kann sich jetzt ansehen, wie James Bond in toskanischem Dialekt mezza porzione di ribollita e acqua della cannella bestellt und seine Tanzpartnerin um 5000 Lire bittet:

Wer dann noch Lust auf mehr hat, kann den  Wikipedia-Artikel über den dialetto toscano lesen.

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